|
technik
|
theophilus
(Mönch aus dem 12.
Jahrhundert)
Kapitel 17 - Das Entwerfen
der Fenster
Willst du Glasfenster
entwerfen, so mache dir zunächst eine ebene Holztafel von solcher Breite
und Länge, dass du jedes Fensterfeld doppelt auf sie auflegen kannst. Nimm
dann Kreide, schabe sie mit dem Messer über die ganze Tafel hin, sprenge
überall Wasser darauf und verreibe sie gänzlich mit einem Lappen.
Wenn sie trocken ist, nimm an dem Fenster das Mass eines Feldes nach Länge
und Breite und reisse es auf der Tafel mit Lineal und Zirkel mittels Bleis
oder Zinns auf. Willst du eine Einfassung um das Fenster haben, zeichne
auch diese in der gewünschten Breite und Ausführung auf.
Hierauf zeichne beliebig viele Bilder zunächst mit Blei oder Zinn, hernach
mit roter oder schwarzer Farbe auf, indem du sorgfältig die Umrisse
ziehst. Denn wenn du das Glas gemalt hast, wirst du anhand dieser Tafel
die Schatten und Lichter zusammensetzen müssen.
Indem du dann die verschiedenen Farben der Gewänder verteilst, vermerke
eines jeden Farbe an ihrer Stelle und ebenso bezeichne für alles andere,
was du malen willst, die Farbe mit einem Buchstaben.
Hierauf nimmt ein kleines Bleigefäss und gib mit Wasser abgeriebene Kreide
hinein. Mach dir auch zwei oder drei Pinsel aus Haar, und zwar von dem
Schwanz des Marders, des Fehs, des (gewöhnlichen) Eichhörnchens oder der
Katze, oder von der Mähne des Esels.
Nimm dann ein Stück Glas beliebiger Art, das an allen Seiten grösser als
die Stelle ist, auf die es gelegt werden soll, und lege es auf besagte
Stelle. Und wie du die Umrisse auf der Tafel durch das Glas hindurch
siehst, so ziehe mit der Kreide auf der Oberfläche des Glases die Umrisse,
aber nur die äusseren, nach. Wenn aber jenes Glas so dicht sein sollte,
dass du die auf der Tafel befindlichen Umrisse nicht durchsehen kannst,
nimm ein weisses Glas und ziehe sie auf dessen Oberfläche nach. Sobald
dieses trocken ist, lege das dichte Glas auf das weisse, halte es gegen
das Licht, und wie du nun die Umrisse durchsiehst, so ziehe sie nach.
Auf dieselbe Weise zeichne alle Arten Glas an, sei es im Gesicht, an den
Gewändern, den Füssen, der Einfassung, oder wo immer du Farbe hinsetzen
willst.
Kapitel 18 - Das Zertrennen des Glases
Dann mache in dem Ofen ein
Trenneisen warm, das überhin dünn, am Ende aber dicker sei. Sobald es an
dem dicken Teil glühend ist, setze es auf das Glas, das du zertrenne
willst, und bald wird sich der Anfang eines Sprunges zeigen.
Wenn aber das Glas zu hart sein sollte, feuchte es mittels deines Fingers
mit Speichel an der Stelle an, wo du das Eisen angesetzt hattest. Sie wird
sofort spalten; dann ziehe das Eisen entlang der Stelle, wo du das Glas
zertrennen willst, und der Spalt wird dem Eisen folgen.
Nachdem alle Stücke so zertrennt sind, nimm das Kröseleisen, das eine
Spanne lang und an beiden Enden umgebogen sei, und schlichte und verpasse
mit ihm alle Stücke, jedes an seinem Platz.
Hast du dies so zugerüstet, nimm die Farbe, mit der du das Glas malen
musst und die du folgendermassen zubereitest.
Kapitel 19 - Die Farbe, mit der man das Glas
malt
Nimm dünn ausgeriebenes Kupfer
und verbrenne es in einer kleinen eisernen Schale, bis es ganz zu Pulver
geworden ist. Nimm Stückchen grünes Glas und griechisches Blauglas, mahle
sie einzeln zwischen zwei Porphyrsteinen und mische diese drei so
zusammen, dass es ein Drittel Kupferpulver, ein Drittel Grünglas und ein
Drittel Blauglas ist. Reibe sie dann zusammen auf besagtem Stein mittels
Weins oder Urins sorgfältig an, tue sie in ein Eisen- oder Bleigefäss und
male damit das Glas mit aller Vorsicht entlang der Umrissen, die auf der
Tafel sind.
Wenn du nun Buchstaben auf dem Glas anbringen willst, bedecke jene Stücke
überhin mit besagter Farbe und schreibe die Buchstaben mit dem Pinselstiel
hinein.
Kapitel 20 - Drei Schattierungen zu Lichtern
auf dem Glas
Die Schatten und Lichter der
Gewänder kannst du, wenn du bei dieser Arbeit recht sorgsam sein willst,
auf dieselbe Weise wie die Farbenmalerei, und zwar folgendermassen machen.
Wenn du die Linien der Gewänder mit den oben erwähnten Farben gezogen
hast, wische mit dem Pinsel, so dass das Glas an der Stelle durchsichtig
wird, an der du bei einem Gemälde ein Licht aufzusetzen gewöhnt bist; und
zwar soll dieselbe Linie an einer Stelle dicht, an einer anderen zart und
an einer dritten Stelle noch zarter und mit solcher Sorgfalt abgetönt
sein, dass drei Töne nebeneinander gesetzt erscheinen. Diese Vorschrift
sollst du auch unterhalb der Augenbrauen und um die Augen, Nase und das
Kinn und um die Gesichter der Jünglinge, um die nackten Füsse, Hände und
sonstigen nackten Teile des Körpers beobachten. So sei eine besondere Art
der Malerei durch die verschiedenen Töne geschaffen.
Kapitel 22 - Der Ofen, in dem man das Glas
brennt
Nimm biegsame Ruten und stecke
sie in einem Winkel des Hauses in den Boden, so dass ihre beiderseitige
Enden eine Art Gewölbe bilden. Diese Gewölbe habe eine Höhe von anderthalb
Fuss, eine eben so grosse Weite, eine Länge aber von wenig mehr als zwei
Fuss.
Dann knete Ton kräftig mit Wasser und Pferdemist durch, dass es drei
Viertel Ton und ein Viertel Pferdemist sind. Ist er aufs Beste
durchgeknetet, so menge ihm trockenes Heu bei, mache lange Kuchen und
bedecke damit das Rutengewölbe innen und aussen bis zur Dicke einer Faust.
Oben in der Mitte lass ein rundes Loch, so gross, dass du deine Hand
hindurch strecken kannst. Fertige dir auch drei Eisenstäbe von Fingerdicke
und solcher Länge, dass sie die Weite des Ofens überspannen. Für diese
mache in beiden Seitenwänden drei Löcher, um sie nach Belieben einstecken
und herausnehmen zu können.
Dann tue Feuer und Holzscheite in den Ofen, bis er ausgetrocknet ist.
Kapitel 23 - Wie man das Glas brennt
Inzwischen mache dir eine
Eisenpfanne nach den Innenmassen des Ofens, abzüglich zweier Fingerbreiten
an der Länge und an der Breite. Auf diese siebe trockenen ungelöschten
Kalk und Asche in der Dicke eines Strohhalmes und drücke sie mit einem
ebenen Holz zusammen, damit sie festliegen.
Ebendiese Pfanne soll einen eisernen Handgriff haben, woran sie getragen,
herein geschoben und herausgezogen werden kann. Auf sie lege das gemalte
Glas sorgsam nebeneinander, und zwar so, dass du an der Aussenseite gegen
den Handgriff hin das Grün- und Blauglas und nach innen das Weiss-,
Safran- und Purpurglas legst, weil letztere widerstandsfähiger gegen das
Feuer sind; dann schiebe die Stäbe ein und lege die Pfanne darauf.
Hierauf nimm in der Abhitze völlig getrocknete Buchenscheite und zünde mit
aller Vorsicht zunächst ein gelindes, dass ein stärkeres Feuer im Ofen an.
Siehst du dann die Flamme hinten und beiderseits zwischen dem Ofen und
Pfanne emporschlagen und das Glas überstreichend und gleichsam leckend
bedecken, bis es schwach glüht, so reisse sofort die Scheite heraus, und
setze die Öffnung des Ofens und oben das Loch, durch das der Rauch
austrat, sorgfältig zu, bis er sich von selbst auskühlt.
Kalk und Asche auf der Pfanne haben den Zweck, das Glas dagegen zu
schützen, dass es auf dem nackten Eisen von der Hitze zerspringt. Hast du
aber das Glas herausgenommen, so prüfe, ob du mit deinem Nagel die Farbe
abkratzen kannst. Wenn es nicht gelingt, genügt es; wenn es aber gelingt,
lege es nochmals in den Ofen zurück.
Hast du solcherweise alle Stücke gebrannt, lege die einzelnen Stücke
wieder auf die Holztafel an ihren Platz.
Kapitel 27 - Das Zusammensetzen und Verlöten
der Fenster
Hast du das soweit fertig
gemacht, nimm reines Zinn, legiere es mit einem Fünftel Blei und giesse in
einem Eisen oder Holz beliebig viel Stangen, mit denen du dein Werk löten
sollst. Habe auch vierzig Nägel zur Hand, von Fingerlänge, an einem Ende
spitz und rund, am anderen Ende vierkantig und stark nach aussen gebogen,
so dass eine Vertiefung in der Mitte erscheint.
Dann nimm das gemalte und gebrannte Glas und lege es in der Ordnung auf
den andern Teil der Tafel auf, wo sich keine Zeichnung befindet. Nimm dann
den Kopf eines Bildnisses, biege eine Rute um ihn herum, lege ihn
sorgfältig an seinen Platz zurück, schlage um ihn herum drei Nägel mit
einem eigens für diese Arbeit bestimmten Hammer ein und füge dann Brust,
Arme und Gewand an ihn an. Jedes Stück, das du angelegt hast, hefte an
seiner Aussenseite mit Nägeln fest, damit es sich nicht von seinem Platz
verrückt.
Habe dann einen eisernen Lötkolben zur Hand; er soll lang und schlank, am
Ende aber dick und rund und am Ende dieser Rundung wieder verjüngt und
spitz sein, gefeilt, verzinnt und dann ins Feuer gelegt werden.
Inzwischen nimm die Zinnstangen, die du gegossen hast, übergiesse sie
beiderseitig mit Wachs und schabe die Bleiruten an ihrer Oberfläche an
allen Punkten, die zu verlöten sind. Nimm darauf den heissen Lötkolben,
halte das Zinn daran, wo überall zwei Bleiruten
zusammen stossen, und fahre mit dem Lötkolben darüber hin, bis sie
zusammenhaften.
Hast du die Bildnisse so zusammengesetzt, stelle die Gründe von beliebiger
Farbe her und setze so das Fenster Stück für Stück zusammen. Ist das
Fenster vollendet und auf der einen Seite verlötet, so wende es auf die
andere, schabe und löte die Ruten in gleicher Weise und befestige sie so
überhin.
Kapitel 28 - Edelsteine, die man auf das
gemalte Glas setzt
Willst du aber an den
Bildnissen der Fenster auf den Kreuzen, Büchern oder dem Schmuck der
Gewänder auf das gemalte Glas Edelsteine von anderer Farbe, ohne
Bleifassung, setzen, z.B. Hyazinthe und Smaragde, so verfahre
folgendermassen.
Wenn du an ihren Plätzen Kreuze auf dem Schein der göttlichen Majestät
oder ein Buch oder Schmuck auf dem Saum angebracht hast, die man auf einem
Gemälde aus Gold macht, so sollen diese auf den Fenstern aus hellem
safrangelben Glas gemacht werden. Hast du diese Teile mit fachmännischer
Kunst gemalt, bestimme die Plätze, auf die du die Steine setzen willst,
nimm Stücke hellblauen Glases, forme daraus Hyazinthe entsprechend dem
Unfang ihrer Plätze, ebenso aus Grünglas Smaragde, und richte es so ein,
dass immer zwischen zwei Hyazinthen ein Smaragd sitzt.
Sind diese sorgsam ihren Plätzen angepasst und draufgelegt, so streiche
mit dem Pinsel eine dicke Farbe um sie herum, doch so, dass nichts
zwischen die beiden Glasflächen fliesst. Brenne sie dann mit den übrigen
Stücken im Ofen, und sie werden so aneinander haften, dass sie niemals
abfallen.
|