Stilkunde
Die immer filigraner werdende Architektur des ausgehenden 13. Jahrhunderts zwang die Glasmaler dazu, für die Gestaltung der Fenster neue Lösungen zu finden. Die dunklen, mosaikartigen Glasmalereien der Frühgotik lassen nicht genug Helligkeit in den Kirchenraum, um die Feinheiten dieser Baukunst zu erkennen. Die Fenster mussten heller werden.
Auch für eine weitere architektonische Neuerung mussten gestalterische Lösungen gefunden werden. Die immer grösser werdenden Fensteröffnungen müssen mit vertikal eingezogenen Steinrippen abgestützt werden. Dadurch entstehen sehr hohe und schmale Streifen: die sogenannten Lanzetten, welche oben mit einem Masswerk abschliessen. Die Medaillons, die in diesen Lanzetten noch Platz finden, sind zu klein, als dass sie noch gut lesbar sind.


Abbildungen: Klosterkirche Königsfelden
Eine Lösung ist die Vergrösserung der Medaillons. Sie nehmen fast die gesamte Breite des Fensters in Anspruch und werden dadurch von den Lanzettenpfosten geteilt. Eine Szene erstreckt sich also jetzt über mehrere Felder.
Die für die Gestaltung ungünstigen, schmalen Lanzetten werden durch Darstellungen von Architekturelementen verkürzt oder unterteilt. Es werden grosse biblische Figuren dargestellt, die von einem Baldachin aus weissem oder gelbem Glas gekrönt sind.
Durch die gläsernen Baurisse, die oft mehr Platz einnehmen als die eigentlichen erzählenden Teile des Fensters, konnte man diese Figuren und deren unmittelbaren Hintergrund weiterhin in sehr satten Farben gestalten, da ja durch die helle Architektur genügend Licht eintritt, um die oben erwähnte Aufhellung der Kirchenräume zu gewährleisten.
Sechs Merkmale hochgotischer Glasmalerei:
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